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Artikel getagged mit: Dioxin

[28.01.2011 | Kein Kommentar]

 Lebensmittelskandale gehen in Mitteleuropa meistens von Futtermitteln aus. Sehr oft ist Dioxin beteiligt. Sie wiederholten sich in den letzten zehn Jahren mindestens ein Mal jährlich. Die Aktionspläne werden dann vorgestellt. Die Punkte des jetzigen Aktionsplans hatten wir zum großen Teil auch bereits zu Seehofers Zeiten – nur umgesetzt wurde ungenügend.

 In dieses Bild passen Äußerungen des ehemaligen Umweltministers und angehenden Ministerpräsidentenkandidaten von Boetticher: Er sprach beim Neujahrsempfang in Schenefeld vom Geschäft der Medien mit der Angst und macht deutlich, dass nie eine Lebensgefahr von mit Dioxinen belasteten Lebensmitteln ausgegangen wäre. Außerdem sei es ein Irrglaube, dass man so etwas in Zukunft verhindern könne. Weiterlesen »


[28.01.2011 | Kein Kommentar]

Zu den Ergebnissen der gestrigen Sonderkonferenz der Verbraucherschutz- und Agrarministerkonferenz: 

 Der 14-Punkte-Plan, den die Bundesministerin heute präsentiert hat, reiht sich in die Vorschläge der letzten Jahre. Immer wenn ein neuer Lebensmittelskandal an die Öffentlichkeit kommt, werden neue Aktionspläne hervorgezaubert, bei deren Umsetzung Entscheidendes auf der Strecke bleibt.

 Auch diese mal ist Aigners Aktionsplan und die der LandesministerInnen in wesentlichen Punkten unkonkret und muss intensiv nachgearbeitet werden. Die Landesregierung muss sich für Maßnahmen einsetzen, die über diesen 14-Punkte-Plan hinausgehen.

An vielen Stellen greift der Plan zu kurz. So ist zwar eine Trennung der Produktion von Futterfetten und technischen Fetten vorgesehen, dies aber auf Anlagen bezogen, nicht auf Unternehmen. Hier bleibt das Scheunentor weit auf für Schiebereien.

Unsere Forderung dagegen ist: Unternehmen, die Futterfette herstellen oder verkaufen, dürfen nicht gleichzeitig technische Fette handeln. Nur dann ist eine sichere Kontrolle der Rohstoffströme gewährleistet.

 Es fehlt der Wille zur Transparenz. Die Änderung des Verbraucherinformationsgesetzes geht nicht weit genug. Die BäuerInnen müssen wissen, was im Futtermittel drin ist und woher es kommt. Dafür muss das Futtermittelrecht geändert werden.

 Die tiefere Ursache dieses Skandals ist in den Strukturen und Verflechtungen der Futtermittel-, Agrar- und Lebensmittelindustrie zu suchen. Deshalb haben wir heute zwei kleine Anfragen an die Landesregierung gerichtet, die die Ausbildung der FuttermittelkontrolleurInnen betrifft und die die Rohstoffströmen und Rohstoffherkünften in schleswig-holsteinischen Futtermittelwirtschaft hinterfragt.


[14.01.2011 | Kein Kommentar]

Bernd Voß zum Aktionsplan der Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner aus Anlass des Futtermittelskandals:

 Dieser Aktionsplan ist in seiner Beliebigkeit und Begrenztheit so angelegt, dass er schnell zum Verhinderungsplan jedweder Änderungen im Futtermittel- und Lebensmittelrecht wird.

 Frau Aigner will die Verarbeitung von Industriefetten und Futtermittelfetten nur in Anlagen trennen, aber nicht die Betriebsstätten. Zugleich reagiert sie nur das Fett dieser Krise und will keine weiteren Stoffe einbeziehen, wie Eiweißstoffe oder Mineralstoffe.

 Eine offensive Politik der Transparenz setzt sie ebenfalls nicht um: Die Namen der Schwarzen Schafe und derer, die mit ihnen zusammenarbeiten, müssen endlich offen gelegt werden.

 Aigner fordert keine offene Deklaration von Inhaltsstoffen. Dabei brauchen wir eine klar eingegrenzte, verbindliche Positivliste, und keine beliebige. Wieviel im Futtermittel drin ist und woher es kommt bleibt den Kunden weiterhin verborgen. Die Forderungen zur Eigenkontrolle und Haftung, die Ministerin Aigner nennt, sind ohne jede Struktur.

 Landwirtschaftsministerin Rumpf hat endlich einige Punkte der Grünen aufgegriffen. Wir erwarten, dass sie den Aktionsplan der Bundesregierung um weitere Punkte ergänzt und für eine schnelle Umsetzung steht.

 Wenn jetzt keine klaren Vorgaben gemacht werden, wann dann?


[13.01.2011 | Kein Kommentar]

 Bernd Voß zum Bericht der Landesregierung in der Sitzung des Agrar- und Umweltausschusses zu Dioxinfunden in Futtermitteln am 12.1.2011:

 Die bisher angewandten Kriterien für die Risikoanalyse bei der Futtermittelkontrolle sind äußerst fragwürdig. Es scheint so, als sei dabei lediglich ausschlaggebend gewesen, ob ein Betrieb in der Vergangenheit bereits auffällig war oder nicht. Die Firma Harles & Jentzsch wurde zuletzt lediglich einmal jährlich kontrolliert. Als Begründung nannte Ministerin Rumpf, dass dieser Betrieb vorher nicht auffällig geworden war. Bei der letzten amtlichen Kontrollen im Juli 2010 wurden lediglich acht Proben genommen.

 Allein aufgrund der enormen Streuung der von diesem Betrieb stammenden Futterfettsäuren über die Lebensmittelkette in Tausende von landwirtschaftlichen Betrieben muss dies als völlige Fehleinschätzung des Risikos bezeichnet werden.

 Äußerst bedenklich ist außerdem, dass die Landesregierung immer noch nicht weiß, ob zusätzlich zur Firma Harles & Jentzsch noch andere Unternehmen im Werk Bösel Futterfette mischen lassen. Auch hat sie keine Kenntnis darüber, ob die Firma Harles & Jentzsch noch an anderen Standorten als in Bösel Futterfette hat mischen lassen.

 Es dürfte aber doch inzwischen klar geworden sein, dass Firmenverflechtungen und undurchsichtige Geschäftsbeziehungen zwischen dem Futtermittelbetrieb, der Spedition und dem Mischbetrieb, die Entsorgung von Giftmüll über die Futter- und Lebensmittelkette begünstigt haben.